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Theater ist (m)ein Leben

print hinter den Kulissen: Schauspielerin Astrid Schulz erzählt von Beruf, Berufung und davon, was es bedeutet, einen Traum zu leben.

print: Du bist Schauspielerin. Die Verwirklichung eines Kindheitstraumes?

Astrid Schulz: In gewisser Weise ja, da ich schon früh Ambitionen hatte, mich zu verwandeln und in Rollen zu schlüpfen. Sei es äußerlich, indem ich mich im stillen Kämmerlein als Marylin Monroe verkleidet habe, vor dem Spiegel ihre Posen nachgeahmt habe und per Playback ihre Lieder gesungen habe, oder indem ich gerne Gedichte und Texte rezitiert habe.

print: Wann hast Du angefangen?

Astrid Schulz: Diese ersten „Anwandlungen“ hatte ich mit etwa 13 Jahren.

print: Wie haben Deine Eltern darauf reagiert, dass Du Schauspielerin werden wolltest und schließlich auch geworden bist?

Astrid Schulz

steht seit über 25 Jahren auf der Bühne. Trotz zahlreicher Erfahrungen in den Bereichen Hörfunk, Fernsehen und Werbung schlägt ihr Herz weiterhin für das Theater. Die Schauspielerin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in der Nähe von Hamburg und schafft den Spagat zwischen Künstlerdasein und Familienleben.

Astrid Schulz: Da mein älterer Bruder bereits ein Musikstudium begonnen hatte, noch bevor meine Berufswahl akut wurde, war für mich der Weg geebnet. Meine Eltern waren damals schon geschieden und mein Vater interessierte sich nicht für das Leben seiner Kinder.
Meine Mutter hatte meinem Bruder ja nun auch schon eine künstlerische Ausbildung zugestanden, da konnte sie bei meiner Wahl nicht nein sagen. Sie hat es also akzeptiert und war auch immer stolz, wenn sie mich mal auf der Bühne gesehen hat.

print: Anerkennung, interessante Leute, mal jemand anders sein – Wie sehr ähnelt das tatsächliche Schauspielerdasein der Wunschvorstellung?

Astrid Schulz: Die Schauspielerei ist wie jeder andere Beruf, denn sie ist mit Arbeit verbunden. Aber ich halte sie für den schönsten Beruf der Welt! Man kommt natürlich mit sehr interessanten Leuten zusammen, aber auch mit recht schwierigen. Der Mythos Schauspieler wird sehr gehypt. Da man als Zuschauer nicht hinter die Kulissen schauen kann, wird sehr viel in diesen Beruf hineinprojiziert. Doch ist das Arbeiten bis zur Premiere nicht immer nur kreativ, Proben von 12 bis 18 Stunden plus Nacht und Vorbereitungszeit für den nächsten Probentag sind Alltag und setzen Disziplin und Durchhaltevermögen voraus. Der künstlerische Aspekt wird dabei oft von prophanem Üben und ständigem Wiederholen überschattet.

Aber wenn man dann auf der Bühne vor Publikum steht, weiß man wieder, weshalb man diesen Beruf gewählt hat. Als Schauspieler muss man einen Drang, ein MUSS verspüren, und dann ist genau dieser Moment auf der Bühne einfach nur berauschend. Wenn das Publikum dir Tribut zollt und dein Tun mit Beifall und Aufmerksamkeit honoriert, das ist einzigartig.
Schauspieler sind nicht alle abgedreht, schwarz gekleidet oder einfach vom anderen Stern. In unserem Beruf gibt es Selbstdarsteller, die einfach dringend Aufmerksamkeit brauchen, dann solche, die einfach nur kreativ sein wollen, und auch uninspirierte handfeste Arbeiter sind dabei.

print: Du spielst an verschiedenen Orten, mal nur für einen kürzeren Zeitraum, mal für länger. Wie kommst Du an diese Jobs?

Astrid Richter: Ich bewerbe mich. Es gibt Schauspieler, die freischaffend sind und solche, die in einer festen Position an einem Theater tätig sind. Die ZAV (zentrale Arbeitsvermittlung) ist auf die Bereiche Theater, Film und Musiktheater spezialisiert. Diese Agentur ist kostenfrei. Viele Schauspieler haben aber auch private Agenten, die prozentual an den Einkünften beteiligt sind. Alle Agenturen vermitteln Vakanzen, man erfährt also immer, wenn eine Rolle zur Neubesetzung ausgeschrieben ist. Allerdings muss man dann erst an den Theatern ein Vorsprechen bekommen, was von Typ und Ensemblekompatibilität abhängt. Ich bin in der ZAV und bewerbe mich meist einfach so an allen Theatern, die ich gerade interessant finde. Da ich aber momentan an einem Theater bin, wo ich einen Stückvertrag nach dem nächsten bekomme, bin ich gerade ziemlich faul.

print: Dein Mann ist ebenfalls Schauspieler. Nimmt man da den Beruf mit nach Hause?

Astrid Schulz: Natürlich! Das ist einerseits schön, andererseits muss man aufpassen, dass man nicht ununterbrochen im eigenen Saft schmort. Wenn der Partner auch aus diesem Metier kommt, hat man aber den nicht zu ersetzenden Vorteil, dass man verstanden wird.

print: Ihr habt ein eigenes Haus, zwei Kinder. Gleichzeitig müsst Ihr sehr flexibel sein, auch das Einkommen ist nicht dauerhaft dasselbe. Wie schwierig ist es, die Schauspielerei und einen geregelten, gesicherten Alltag zu verbinden?

Astrid Schulz: Man muss den Beruf lieben und auf das Generalisieren von Werten und Sicherheiten bewusst verzichten. Das hat Nach-, aber auch enorme Vorteile. Man ist nicht so verhaftet in dieses Sicherheitsdenken. Ja, man muss zusehen, dass der nächste Monat finanziert ist. Man muss umtriebig sein, sich also ständig bewerben. Wenn mal ein kleiner Film oder Werbung reinkommen, stockt das zusätzlich auch nochmal die Kasse auf. Für Leute, die ein geregeltes Einkommen und absolute Sicherheit brauchen, ist die Schauspielerei natürlich keine Berufswahl.

Dass es schwer ist, ist klar, und viele haben nicht das Glück, wie wir, immer zu tun zu haben und dadurch auch eine Familie ernähren zu können. Wenn Jobs ausbleiben, stimmt nicht nur die Kasse nicht, sondern auch die Psyche fällt beim Künstler dann total in den Keller. Denn neben dem typischen Minderwertigkeitsgefühl und der Tatsache, dass man wohl für dich keinen Platz hat, spielt auch immer der Zweifel am eigenen Talent eine Rolle.

print: Du hast gerade die Werbespots erwähnt. Was ist Dir lieber: Fernsehen oder Theater?

Astrid Schulz: Theater! Es ist näher am Publikum und man kann eine Rolle in einem Stück durchziehen! Allerdings habe ich bisher nicht genug Film gemacht, um wirklich über den Reiz, den dieses Genre ausmacht, ein Urteil fällen zu können.

print: Deine schwierigste Rolle?

Astrid Schulz: Es gibt keine schwierigen Rollen, sondern schwere Arbeitsbedingungen! Wenn die Arbeit mit dem Regisseur nicht konform mit deiner Arbeitsweise läuft, wird es schwer.
Deshalb könnte ich umgekehrt auch nicht sagen, wen oder was ich besonders gerne mal spielen würde. Ich konzentriere mich einfach immer genau auf den Charakter, der gerade ansteht, und die Leute, mit denen ich zusammenarbeite.

print: Mal angenommen, es hätte mit der Schauspielerei nicht geklappt. Wie hätte der „Plan B“ ausgesehen?

Astrid Schulz: Dann hätte ich mich vermutlich in etwas ganz anderes gestürzt, nämlich ein Medizinstudium.

print: Streben Eure Kinder auch eine Schauspielkarriere an?

Astrid Schulz: Nein, zum Glück oder leider nicht.

print: Wie lange, glaubst Du, wirst Du noch als Schauspielerin tätig sein?

Astrid Schulz: Glauben tue ich gar nichts, aber wollen tue ich es bis zum seligen Ende.


Von Luise Richter

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