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„O Tannenbaum, O Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter!“ Wenn Ihre Liebsten dieses Lied anstimmen und „Last Christmas“ es in die Charts schafft, dann ist Weihnachten. Das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Doch so manch einer möchte die gnadenbringendste Zeit des Jahres ausblenden, gar aus dem Kalender streichen. Wie kommt’s, bei all der Liebe um uns herum?
Weihnachten bedeutet grenzenlose Liebe. Wir rufen endlich wieder die Verwandten an, schicken nette Grüße, schneiden gemeinsam den Braten an. Man bedaure es natürlich sehr, sich seit letztem Dezember nicht gemeldet zu haben. Aber vergessen sei das letzte Jahr, nun sind wir ja beisammen. Lasst uns froh und munter sein!
Doch dann: Onkel und Tante streiten, gestikulieren wild mit ihren Händen. Die weihnachtliche Stimmung ist in akuter Gefahr. Es gilt, sie abzuwenden. Wann, wenn nicht zu Christi Geburt, sollten wir „Ich liebe Dich“ sagen? Streit ist tabu! Auch die Familie erlebt jede Weihnacht ihre Renaissance. Mutter und Tochter vereinen sich zum Plätzchen backen; und Papa wollte gerade in der besinnlichen Zeit nicht unhöflich sein, als die charmanten Kollegen ihn zum „Punschen“ einluden. Jetzt – in gemütlicher Runde auf dem Weihnachtsmarkt – friert er, und auch das zehnte Glas Glühwein täuscht nicht darüber hinweg, dass er Herrn Meier aus der Rechtsabteilung noch nie gemocht hat. Schöne Bescherung!
Thema Geschenke: Der Kommerz meint es gut mit uns und veröffentlicht zufällig kurz vorm Fest die „Super Extra Bonus Edition“, mit vielen raren Tracks natürlich. Wir haben uns am letzten Adventssamstag mit 1000 anderen, gut gelaunten Menschen durch die Verkaufstische gewühlt, verzweifeln aber am (fehlenden) passenden Geschenk. Wir nehmen schließlich das, was uns selbst nützt. Ein Gutschein für zwei beispielsweise. Jetzt noch schnell in die Kirche, um auch Jesus wenigstens einmal im Jahr zu danken, und um die Nachbarn von der eigenen Frömmigkeit zu überzeugen, dann ist es fast geschafft. Alle Jahre wieder!
Von Lars Marschollek |