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Die Liebe in konkreter Form

Wie lustig ist schlechter Sex? Der Hannoveraner Dichter und Autor Peter Düker sprach mit print über Tragik und Komik bei der schönsten Nebensache der Welt.

print: Herr Düker, in Ihrem aktuellen Programm, „Herz im Schritt“, und vielen anderen Texten schreiben Sie vornehmlich über Sex. Unter anderem Selbstbefriedigung, das erste Mal und die Wirkung von versehentlich geschluckten Potenzpillen. Laden Sie trotzdem Ihre Familie zu den Lesungen ein?

Peter Düker: Ja. Ich komme aus einem liberalen Elternhaus. Inzwischen ist auch genug Abstand zu dem Ursprung dieser Erzählungen entstanden, so dass wir alle darüber lachen können. Wobei ich ungern Sex sage. Ich sage lieber: Die Liebe in ihrer konkreten Form. Denn bei diesen Prozessen geht es ja oft um starke Gefühle, wenn auch nicht immer Liebesgefühle. Oft sind negative Gefühle damit verbunden. Angst, Sorge. Was macht man genau? Ist das richtig? Mag der andere überhaupt, was will der andere und dergleichen. Dinge, die im Nachhinein ungemein lustig sind, aber in der Situation oft eben auch tragisch.

print: In Ihren Texten vereinen sich die Lust an der Liebe und die Lust am Lachen. Was ist es gerade am Sex, das Sie gereizt hat, ihm ein ganzes Programm zu widmen?

Peter Düker:  Sex ist nicht planbar. Und: Beim Sex zeigt sich so schön der Kontrast zwischen dem, was man von sich hält, und dem, was man sein kann. Wenn andere nicht so reagieren, wie man es gerne möchte. Wenn man sich verliebt hat und dann Dinge tut, die mit dem eigenen Selbstbild nicht übereinstimmen. Der Mensch hat in dem Bereich, wo er emotional engagiert ist, wenig Möglichkeiten, sich in die Tasche zu lügen.

print: Eigentlich waren Sie mal Germanist und Politologe. Jetzt sind Sie Dichter. Wann haben Sie sich entschieden, sich ganz dem Schreiben zu widmen?

Peter Düker: Entschieden habe ich mich im Grunde schon sehr früh. Als ich 16 war, hatte ich einen Bänderriss. Wir waren im Sommerurlaub und ich konnte nicht Schwimmen gehen. Ich war furchtbar gelangweilt. Dann habe ich angefangen zu reimen. Ich habe das Gott sei Dank vergessen was ich damals geschrieben habe, und wenn ich es nicht vergessen hätte, würde ich es heute nicht zitieren. Später dachte ich, gefragt was ich werden wollte, ich müsste irgendetwas Schönes machen, was mit Schreiben zu tun hat. Da habe ich gedacht, ich studiere mal Germanistik.

print: Wo finden Sie heute die Inspiration für ihre Texte?

Peter Düker: Was das Sexuelle angeht, sind es keineswegs nur Erinnerungen, die mich inspirieren. Vieles, was lustig ist, kommt aus der Zeit der Pubertät. Das ist dieses alte Ding: Tragik plus Abstand ist Komik. Und daraus schöpfe ich sehr viel Energie. Ebenso aus meinen kleinen Neurosen. Meiner Reisephobie, meinem Waschzwang. Ich habe lange Zeit gedacht, ich wäre verkehrt. Bis ich gemerkt habe: Die Welt ist einfach nur zu sorglos. Vieles von dem, was früher sehr problematisch war, ist inzwischen selbstverständlich geworden. Man hat eine ausgebildete Persönlichkeit und man hat nicht mehr Angst, gleich seine ganze Existenz zu riskieren wenn man Fehler macht.

print: Sie schreiben, Sie stehen auf der Bühne, Sie lesen aus Ihren eigenen Werken. Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

Peter Düker: Der Applaus (lacht). Zum einen befriedigt es ungeheuer, wenn man einen Text fertig stellt, mit dem man zufrieden ist. Wenn ich einen fertigen Text lese und sage: Ja, das ist gut. Das ist ein Teil der Befriedigung. Und der andere Teil ist natürlich, diesen Text zu präsentieren. Wenn dieser Text gut ankommt. Das Private ohne das Öffentliche geht nicht. Das hängt beides miteinander zusammen.
 

Peter Düker
ist Dichter, Autor und Kabarettist. Er veröffentlichte mehrere Gedichtbände, Romane und CDs. Er gewann den Literaturwettbewerb des Magazins „Stadtkind“ und erreichte zweimal den dritten Platz bei der Vergabe des Willhelm-Busch-Preises.
 

Das Interview führte David John

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