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Fotografien aus Traum und Alptraum

Die Hamburger Deichtorhallen zeigen mit “Jack Freak Pictures” noch bis zum 22. Mai 2011 eine umfangreiche Werkgruppe von Gilbert und George. print hat sich umgeschaut.

Gilbert Prousch und George Passmore feiern bald ihren 70igsten Geburtstag. Die beiden Herren treten nur im Duo auf, tragen mit Vorliebe Anzüge in gedeckten Farben und leben in London. Sie wirken wie ungleiche Zwillinge, sympathisch, wenn auch etwas spießig. Das sich hinter ihrem skeptischen Blick facettenreiche Enfants Terribles verbergen, wird erst klar, wenn man die Werke der britischen Künstler sieht.

Die über hundert fotografischen Arbeiten fluten die große Deichtorhalle regelrecht. Bis zu 30 schwarze Rahmen formen sich jeweils wandfüllend zu einem großen Ganzen. Skurill verfremdet treten Gilbert und George darin zugleich als Gefangene und Beschützer einer fremden, wahnsinnigen Welt auf. Zusammengeschmolzene Gesichter starren aus dem Union Jack und Londoner Straßenplänen. Das exzentrische Künstlerpaar tanzt und steht still, schreit stumm oder blickt dem Betrachter wirr entgegen. Die mögliche Verfremdung der Arbeiten, begonnen mit simplen Methoden, wird von ihnen heute mit Hilfe von modernen Grafikprogrammen nahezu vollständig genutzt.

Kein Skandal

Mit ihren Körpern als Werkzeug zeichnen sie sakralhaft die oft absurde Realität des Menschen in der modernen Welt nach. Greifen Trends wie “Tags” auf und spielen mit Symbolen für Nationalstolz, Kult und Erfolg. Auch die christliche Religion wird immer wieder zum Thema. Ob plakativ wie bei “Carry on“, das den kreuztragenden Christus zeigt, oder symbolisch in Form einer Distel.

Wer wie bei den vorherigen Arbeiten provozierende Tabubrüche erwartet, wird allerdings enttäuscht. Die Jack Freak Pictures spiegeln stattdessen komplexe Gefühlswelten. Wie durch ein Kaleidoskop betrachtet, fügen sich diese zu inneren Ungeheuern zusammen. Ihre  Arbeiten funktionieren auch ohne Skandal, denn als lebende Kunstwerke beeindrucken Gilbert und George seit gut 40 Jahren ihr Publikum immer wieder neu. Einen sehenswerten Einblick in Leben und Werk der Künstler gewährt zur Ausstellung die Dokumentation “with Gilbert und George” von Julian Cole aus dem Jahr 2009.

 

Bilder vom perfekten Mann

Parallel präsentieren die Deichtorhallen u.a. “Traummänner“,  Fotografien von der Vision des heutigen, männlichen Ideals. 50 renommierte Mode- und Porträtfotografen aus aller Welt haben mit ihrem favorisierten Männerbild zur Ausstellung beigetragen. Neben den “üblichen Verdächtigen”, wie George Clooney, reihen sich nahtlos eher unbekannte Freunde der Fotografen ein – allesamt starke Charakterköpfe, meist gut trainiert und mit markanten Zügen.

Ihre persönliche Vorstellung vom perfekten Mannsbild können die Besucher dazu an eine Wand pinnen, sei es Mao Zedong oder doch “Dietmar”. Das trotz dieser großen Auswahl an Traummännern nicht für jede der Richtige dabei ist, zeigt ein Eintrag aus dem Gästebuch: “Ich suche weiter…” schreibt eine Frau.
 

Von Anna Moldenhauer

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