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Es ist früh am Morgen an einem See am Hannover Stadtrand. Während die meisten Menschen noch schlafen, sind die Fische schon in ihrem Element und tummeln sich nahe der Wasseroberfläche. Die beste Zeit also für Siegfried Kapune, um zuzuschlagen.
Bekleidet mit Gummistiefeln und Regenjacke steht der leidenschaftliche Angler am Ufer, von wo aus er bereits seine mit Ködern bestückte Angelrute ausgeworfen hat. Jetzt heißt es warten – die Haupttätigkeit eines jeden Angelfreundes. Siegfried Kapune muss lediglich jede Bewegung des Schwimmers, der die Position des Hakens im Wasser anzeigt, gezielt beobachten, denn einen anbeißenden Fisch kann er so schnell an Land holen. Ansonsten würde das Mittagessen buchstäblich ins Wasser fallen.
„Schon als Kind wurde ich von meinem Vater und Großvater zum Fischen mitgenommen und war fasziniert davon“, berichtet Kapune. Die Begeisterung für dieses Hobby wuchs stetig bis hin zum Betreiben seines eigenen Angelgeschäfts. Wie die meisten Angler bereitet auch er sich akribisch darauf vor, am Ufer eines Sees oder Flusses geduldig auf den großen Fang zu warten, oftmals den ganzen Tag. Dass es aber auch spektakulärer werden kann, erlebte er im Urlaub in Kanada. Die gefährliche Strömung eines Flusses, durch den er watete, zwang ihn damals ins tiefe Wasser: „Das Wasser stand mir schon bis zur Brust. Ich warf Angel und Uhr an Land und wollte versuchen ans Ufer zu schwimmen.“ Mit einem gehörigen Schreck stieg er schließlich aus dem Wasser, erst im letzten Moment war es wieder flacher geworden. Gerade in solch heiklen Situationen sind Ruhe und Geduld wichtige Tugenden, ebenso ist es bei gewöhnlichen Angelausflügen. Oft kommt es vor, mit leeren Händen nach Hause gehen zu müssen, trotzdem wird sich ein Angler wegen einer Pechsträhne nicht nach einem anderen Hobby umsehen.
Keine introvertierten Einzelgänger
Die Gewässer der Umgebung zu kennen, ist beim Angeln jedenfalls ein klarer Vorteil. Ein Angler kann also auch mit biologischem Grundwissen glänzen. So ist es ihm möglich, das Verhalten der anvisierten Fische anhand von Temperatur und Farbe des Wassers bestimmen zu können. Häufig beobachtet Kapune Anfänger, die ihre Angelruten in der Mittagszeit auswerfen. In dieser Zeit tummeln sich die Fische meist an der Wasseroberfläche und sind scheinbar leichte Beute. Die Erfolgschancen sind aber gering: „Wenn sich Fische bei Sonnenschein an der Oberfläche treiben lassen, sind sie nicht bereit zur Nahrungsaufnahme. Da nützt dann der beste Köder nichts“, so der Fachmann. Expertenwissen wie dieses erzeugt in der Gesellschaft oft das Bild der Angler als „eigenes Volk“. Stundenlang sitzen sie ruhig am Wasser und Passanten bekommen oft nur widerwillig Antwort auf Fragen nach den Fangerfolgen. „Dabei sind Angler keine introvertierten Einzelgänger, sie sind eher Tüftler“, so Kapune. „Man testet dutzende Köder und erfindet sogar neue Fangmethoden. Anschließend tauscht man sich dann mit Gleichgesinnten darüber aus.“
Am liebsten natürlich über die eigenen Erfolge. Seinen längsten Fisch erwischte er vor einigen Jahren in Italien. Im Fluss Po hatte er einen Riesenwels am Haken. „Der war 1,89 Meter groß. Die durchschnittliche Länge solcher Fischen liegt gerade einmal bei 50 cm.“ Für Prachtexemplare wie dieses finden sich Angler wie Siegfried Kapune wohl gern mit vorherrschenden Klischees ab und werden motiviert, die Angel wieder und wieder in aller Frühe auszuwerfen.
Von Felix Grohmann |