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Das Puhlen von Nordseekrabben wird in Afrika erledigt – Die Wirtschaft freut's, die Natur leidet.
Krabbenbrötchen gehören zu den Lieblingsdelikatessen der Deutschen. Ein kleiner Berg frischer, fertiggepuhlter Krabben zwischen zwei Brötchenhälften. Wohl die wenigsten Menschen wissen, wie aufwendig und zeitintensiv das Geschäft mit den Schalentieren ist und wie „frisch“ sie dann am Ende wirklich sind.
Nachdem die Krabben von den rund 280 deutschen Krabbenkuttern gefangen wurden, werden sie noch an Bord gekocht und gekühlt. Zurück im Hafen werden sie für ihre über 6.000 Kilometer lange Reise versandfertig gemacht. Konserviert mit verschiedenen Säuren und Kochsalz geht es mit dem LKW nach Marokko. Geschätzte 15.000 Frauen arbeiten dort in großen Fabrikhallen und puhlen die Krabben im Akkord. „Bei uns würde man niemanden finden, der diese Arbeit erledigt“, so Philipp Oberdörffer. Er ist Fachbereichsleiter für Fischerei bei der Landwirtschaftskammer Oldenburg. „Die niedrigen Löhne sorgen dafür, dass das bei uns bezahlbar bleibt.“ Trotzdem gibt es strenge Richtlinien, für die Frauen in Marokko. Jede Fabrik hat akkreditierte Laboratorien, die stets Qualität und Sauberkeit überprüfen. „Das Umfeld erinnert an einen OP-Saal im Krankenhaus“, mutmaßt Oberdörffer. Selber ist er noch nicht vor Ort gewesen. „Für uns sind die Fabriken in Marokko eine große Blackbox. Der Handel lässt sich nur ungern in die Karten schauen.“
Einmal Afrika und zurück
Die Marokkanerinnen werden nach Menge bezahlt. Gut einen Euro bekommen sie pro Kilogramm, täglich schaffen die schnellsten von ihnen acht. Zurück in Deutschland werden die Krabben als „frisch“ verkauft - Nach einer mehrtägigen Reise von rund 6.000 Kilometern. Wirtschaftlichkeit und Arbeit für die Frauen in Marokko, die ihre Familien versorgen müssen, ist das eine. Aber was ist mit der Umwelt? Jährlich benötigen die Krabben-LKW über vier Millionen Liter Diesel. In Zeiten von Erderwärmung und zu hohen CO2-Emissionen muss das Bewusstsein für den Erhalt der Natur endlich in die Köpfe der Menschen gelangen.
Eine Alternative zu den Frauen in Marokko sind Krabbenpuhlmaschinen. Dirk de Beer ist Ostfrieslands größter Krabbenhändler. Seine Meinung dazu: „Ich persönlich halte nichts von den Maschinen. Die aktuellen Modelle hinterlassen schlicht und einfach zu viele Schalenreste an den Krabben.“ Wie es also aussieht, werden Deutschlands Nordseekrabben auch in Zukunft noch zu großen Teilen ihre lange Reise auf sich nehmen müssen. Der Natur zum Trotz.
Von Johannes Malinowski
Tipp: Mehr Artikel zum Thema Lebensmittel findet ihr in "Esspapier",
der Erstsemester-Zeitung der Studiengänge Journalistik und Public Relations.
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