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Das traditionsreiche Musiktheater Bad kämpft seit der Sperrung des Außengeländes durch die Bauverwaltung im Sommer 2010 um sein Überleben. Violetta Fett, Vorsitzende des gemeinnützigen Kultur-Pool e.V., spricht über elf Jahre Kulturarbeit für den Musikstandort Hannover und die wohl unüberwindbaren Hürden der Bürokratie, die sie zeitweise an den Rand der Verzweiflung treiben.
Frau Fett, was war Ihr schönstes Erlebnis im Musiktheater Bad?
Jetzt muss ich einen Moment überlegen, denn der ganze Ärger der letzten Monate hat die schönen Erinnerungen weit nach hinten gedrängt. Ich glaube, das Schönste war immer, die vielen fröhlichen Menschen generationenübergreifend im alten Schwimmbecken in den Sonnenuntergang hinein tanzen zu sehen. Es war auch ein schönes Gefühl, wenn Besucher und Künstler mir nach einem Konzert, in zahlreichen netten Gesprächen vorschwärmten, welch ein einzigartiger und friedlicher Ort das Musiktheater Bad ist. Insgesamt gab es unzählige Erlebnisse, die mich immer wieder daran festhalten ließen, diesen Veranstaltungsort für die Stadt Hannover zu erhalten.
Viele Personen, die mit dem Verein verbunden sind, sagen, Sie seien das Herz und die Seele des Musiktheaters Bad. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Meine Arbeitswoche beginnt zumeist mit den ersten Aufräumarbeiten am Sonntagmorgen nach einer Veranstaltung. Oft erledigen wir alles alleine, sammeln den Müll ein und putzen die Toiletten. Unter der Woche arbeite ich in Teilzeit in einem anderen Job. Nach Feierabend fahre ich ins Bad und erledige das Tagesgeschäft. Oft bleibt dazwischen nur Zeit für einen Kaffee und eine Zigarette. Die Instandhaltung des Geländes muss organisiert, Einkäufe müssen erledigt werden. Zwischendurch kommen immer wieder Anfragen von Veranstaltern und Lieferanten. Oft passiert es, dass ich erst spät abends wieder zu Hause bin. Am Wochenende, während der Veranstaltungen, bleibe ich manchmal durchgehend im Bad.
Das hört sich stark danach an, dass Sie einen Großteil der Arbeiten für das Musiktheater Bad alleine durchführen.
Nein, meine guten Freunde und Kollegen Mirko und Alex, unser Werksstudent Konstantin und unser Praktikant Jan arbeiten mit großem Anteil für den Kultur-Pool e.V.. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die lieben ehrenamtliche Helfer und die Sozialstundenleistenden, die uns zeitweise tatkräftig unterstützen.
Ich zähle fünf feste Personen, überwiegend in Teilzeit, für alle administrativen Aufgaben, die Instandhaltung und Pflege des riesigen Geländes sowie die Organisation der Veranstaltungen. Müsste ich schätzen, hätte ich auf mehr getippt. Was ist mit den anderen Mitgliedern des Vereins?
Bei der Gründung des Kultur-Pool e.V. im Jahr 2001 waren wir etwa 20 Mitglieder. Unser Ziel war es, das traditionsreiche Gelände für Live-Musik zu retten und jungen Musikern aus Hannover eine Möglichkeit der kreativen Entfaltung zu geben. Als wir das Musiktheater Bad übernahmen, war das Gelände völlig heruntergewirtschaftet. Am Anfang halfen viele unserer Gründungsmitglieder tatkräftig mit, das Bad mit eigenen Mitteln zu sanieren. Doch mit der Zeit gründeten einige eine Familie, andere zogen in eine andere Stadt oder waren beruflich ausgelastet. Sie unterstützen den Verein weiterhin ideell, nur die aktive Mitarbeit wurde leider immer geringer. Ich kann ihnen das nicht verübeln, wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Doch im Moment sind wir nur sehr wenige Vereinsmitglieder, die sich aktiv engagieren.
Die Arbeit, die Sie und Ihr Team leisten, erscheint mir sehr anstrengend. Was ist Ihr Antrieb?
Das Bad wuchs mir mit den Jahren immer mehr ans Herz. Es ist ein Teil von mir. Gerade im Sommer ist es der schönste Platz in Hannover, um live Musik zu hören. Wir sind hier weit weg vom Steintor. Es gibt bei uns kein Gewaltpotential unter den Gästen. Die friedliche Atmosphäre des Bads ist sicherlich einzigartig unter allen Veranstaltungsorten in Hannover. In zehn Jahren hatten wir nur acht Auseinandersetzungen. Dieses Jahr überhaupt keine. Viele lokale Bands hatten ihre ersten Auftritte im Bad. Viele sind dem Verein bis heute dankbar, für die Möglichkeit, die wir ihnen geboten haben. Mein Antrieb ist die breite Förderung der Musikkultur in und um Hannover, abseits des Mainstreams oder zwielichtigen Milieus, und die große Familie, die sich rund um den Verein aus Künstlern, Mitarbeitern sowie ehrenamtlichen Helfern entwickelt hat, ob nun aktiv oder auch nicht.
Eine gängige Meinung besagt, dass Kulturarbeit alleine auf Dauer wirtschaftlich nicht tragbar sei. Sie sagten gerade, dass Sie die breite Musikkultur fördern wollen. Wie finanziert sich das Musiktheater Bad?
Unter wirtschaftlichen Aspekten hätten wir dieses Jahr nur drei Veranstaltungen durchführen dürfen, jedoch widerspricht diese Ausrichtung der Satzung des Kultur-Pool e.V. und meinen persönlichen Idealen. Wir wollen junge Musiker und Nischenkünstler fördern, doch bei den meisten dieser Veranstaltungen zahlen wir drauf. Bis 2008 finanzierten wir die Kulturarbeit größtenteils mit den Festivals im Sommer. Trotzdem schlossen wir insgesamt jedes Jahr mit einem finanziellen Minus ab. Um den alljährlichen Verlust auszugleichen, investierte ich mit den Jahren einen erheblichen Teil meiner Altersvorsorge und eine Erbschaft in das Musiktheater Bad, aber lassen wir das...
Es gibt öffentliche Fördergelder der Stadt Hannover, um kulturelle Arbeit zu unterstützen. Wie viele dieser Gelder bekommt das Musiktheater Bad?
Auch wenn wir eine jahrzehntelange Tradition nachweisen können, bekommen wir, anders als in der Kulturarbeit üblich, bisher keine Unterstützung von öffentlichen Institutionen. In den ersten Jahren versuchte ich Fördergelder zu beantragen, jedoch zog sich das Verfahren sehr in die Länge und war fruchtlos. Irgendwann gab ich es auf. Das Ausfüllen der vielen Formulare und Anträge war sehr zeitraubend. Zeit, die mir für wichtige Aufgaben im Tagesgeschäft des Musiktheaters Bad fehlte. Dieses Jahr haben wir notgedrungen das erste Mal seit vielen Jahren wieder einen Antrag gestellt.
Wie haben Sie es dann geschafft, bei all den Verlusten so lange zu überleben?
Irgendwie haben wir es immer geschafft zu überleben, auch wenn es oft knapp wurde. Die Einnahmen der Veranstaltungen und die privaten Einlagen reichten bis zur Sperrung des Schwimmbeckens durch die Bauverwaltung aus, um die Kulturförderung am Leben zu halten. Doch diese Sperrung hat die finanzielle Situation essentiell verschlechtert. Auch wenn uns viele bekannte Bands und Ehrenamtliche mit den Einnahmen aus Benefizkonzerten und Charity-Partys unterstützen, wird die Situation mit jedem Tag bedrohlicher. Die Verluste dieses Jahres bereiten mir schlaflose Nächte.
Das stellt sicherlich eine extreme Belastung für Sie dar. Wie kam es zu der erwähnten Sperrung des Außengeländes durch die Bauverwaltung im Jahr 2010?
In den ersten Jahren nach der Übernahme des Musiktheaters Bad durch den Kultur-Pool e.V. lief alles ohne Probleme. Vielleicht waren uns die Ämter damals wohl gesonnen, weil wir die vielen Schulden des Vorbetreibers gegenüber der Stadt Hannover zum großen Teil übernommen und bezahlt haben. Achim Brandau von Living Concerts, der damals auch unter anderem Veranstalter des Fährmannfests war, half uns bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltungen. Wir organisierten bis 2008 jedes Jahr vier bis sechs Außenveranstaltungen mit bis zu 4.000 Besuchern. Das waren tolle Zeiten.
(kurze Pause)
Nun ja, ich glaube 2008 fing der Ärger an.
Welchen Ärger meinen Sie?
Nach meiner Einschätzung war der Fehler des Kultur-Pools e.V., im Rahmen einer geplanten Veranstaltung für rund 3000 Besucher, außerhalb der normalen Veranstaltungskonzession, ein so genanntes "Seltenes Ereignis" bei den Behörden zu beantragen. Hierbei wollte der Veranstalter des auftretenden Künstlers Sven Väth die Musikanlage lauter einstellen, als dies für eine Veranstaltung auf unserem Gelände üblich war. An sich nichts Besonderes, denn Vergleichbares fand beispielsweise auch beim Maschseefest oder verschiedenen Feuerwerken statt. Doch unser Antrag wurde abgelehnt und wir erhielten diese Ablehnung genau einen Tag vor Veranstaltung, viele Wochen nach der Antragsstellung. Uns wurde also keine Chance zur ausreichenden Prüfung und Antwort gegeben. Da ich damals der Meinung war, dass der Bescheid mit Absicht so spät vor dem Veranstaltungswochenende erfolgte, ging ich gerichtlich dagegen vor. Das Konzert mit Sven Väth hat trotzdem stattgefunden. Wir haben die Lautstärke nicht verändert und diese kontinuierliche durch eine Fachfirma überprüfen lassen.
Sie sagten, dass Sie vor 2008 keine Probleme mit der Stadt Hannover hatten. Gehen Sie also davon aus, dass Ihre damalige Klage den Startpunkt für die anhaltenden Probleme darstellt?
Genau so sehe ich das. Ich hab den Mund aufgemacht, und entweder war es nicht erwünscht, Entscheidungen zu hinterfragen, oder man wollte das Konzert eines Künstlers aus der Technoszene nicht oder was weiß ich warum...
Wie ging es nach diesem Konzert weiter?
Seit diesem Zeitpunkt kam es Schlag auf Schlag. Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern. Nach dem eben erwähnten Konzert kam ein Beamter und sagte, die große Bühne wäre illegal. Dann kam das Bauamt und erklärte, es gäbe für die Bühne keine Baugenehmigung und übrigens gäbe es diese auch nicht für das gesamte Außengelände - es sei nach wie vor ein Schwimmbad. Dann sollten wir plötzlich für jede Außenveranstaltung eine Ausnahmegenehmigung nach § 47a beantragen. Jeder Antrag, inklusive der formalen Begleitkosten, mal eben 2000 bis 3000 Euro. Stellen sie sich das mal vor! Bis zu 3000 Euro für den Abschluss einer einfachen, bürokratischen Genehmigung. Unglaublich.
Warum haben Sie nicht einfach die Baugenehmigung beantragt und umgesetzt? Das kann doch nicht so schwer sein.
(lacht)
Das haben wir auch gedacht. An unserem Bauantrag, ach was, unseren unzähligen Bauanträgen, die der Baugenehmigung voraus gingen, haben sich von Januar 2009 bis heute insgesamt drei verschiedene Architekten, ein Diplom Ingenieur, der sogar Fachbücher über die Niedersächsische Veranstaltungsverordnung verfasst, sowie ein Ingenieursbüro, welches für die Stadt Hannover Veranstaltungen wie die Ideen-Expo plant und zur Genehmig führt, abgearbeitet.
Mit welchem Ergebnis?
Mit dem großartigen Ergebnis, dass wir heute, aus Sicht der Bauverwaltung, immer noch keinen vollständigen Bauantrag haben. Es ist derart traurig, dass es fast schon wieder lustig wird, wenn man sich vorstellt, dass all diese studierten Fachautoritäten keine Chance gegen die ständigen Sinneswandel einer Behörde haben. Von den Kosten will ich gar nicht erst sprechen. Kurzum, es geht nicht darum was wir vorlegen, sondern darum, dass wir anscheinend niemals genug vorlegen oder beantragen oder erklären oder beweisen werden. Und genau das ist es, was vermutlich noch Jahre weiter betrieben werden kann, ohne dass wir uns letztlich dagegen wehren zu können. Entweder geht uns das Geld aus, oder wir haben einfach keinen Nerv mehr für diese Farce.
Frau Fett, ich würde gerne noch einmal einen Schritt zurückgehen. 2008 begann also die Auseinandersetzung mit der Bauverwaltung. Da Sie weiterhin Konzerte durchführen konnten, stellt sich mir Frage, wann das Gelände letztendlich gesperrt wurde.
Die tatsächliche Sperrung erfolgte - welche Überraschung - bei Sven Väth 2010. Da damals, wie gerade beschrieben, keine Baugenehmigung vorlag, beantragten wir, wie uns aufgelegt wurde, eine Ausnahme nach § 47a, deren ablehnender Bescheid uns dann letztlich, wie schon 2008, kurz vor Veranstaltungsbeginn zugestellt wurde. Wir hatten also erneut keine Chance unsere Rechtsmittel ausreichend einzusetzen, reichten aber trotz der abgelaufenen Frist einen gerichtlichen Eilantrag ein.
Wie reagierte die Bauverwaltung auf diesen gerichtlichen Eilantrag?
Vertreter mehrer Behörden erschienen unangemeldet auf dem Gelände. Während dieser Besichtigung bestätigten uns die Beamten mündlich den Kompromiss, die Veranstaltung auf der Wiese neben dem Schwimmbecken abhalten zu dürfen. Die Beamten betonten, die Wiese birgt kein Gefahrenpotential, aber das Schwimmbecken dagegen sehr wohl. Zwölf Personen, darunter die externen Veranstalter des Festivals und mehrere Beamte, könnten diese Zusage bezeugen. Nachdem wir begonnen haben, die Bühne auf der Wiese aufzubauen, leugneten dieselben Beamten jedoch ihre mündliche Zusage. Das erste Mal in der Geschichte des Kultur-Pool e.V. wurde die Durchführung einer Veranstaltung strikt verboten. Die Stadt Hannover fuhr außerdem alle Geschütze auf, um das Verbot durchzusetzen. So kamen Beamte der Polizei, des Ordnungsamts sowie des Bauamts ins Bad und erklärten, dass, wenn am nächsten Tag die Veranstaltung durchgeführt würde, die bis zu 3000 Besucher abgefangen und wieder nach Hause geschickt werden. Außerdem hätten wir mit drastischen weiterführenden Konsequenzen zu rechnen.
Und wie reagierten Sie auf dieses Verbot?
Der Organisator des Festivals, wir hatten das Gelände an ihn vermietet, versuchte bis zur letzten Sekunde die Veranstaltung zu retten. Doch auch er blieb erfolglos und verlegte die Veranstaltung notgedrungen an einen anderen Ort. Wir blieben alleine auf den Planungs- und Genehmigungskosten sowie den verlorenen Miet- und Gastronomieeinnahmen sitzen. Zusätzlich schenkte uns die Bauverwaltung die absolute Sperrung des größten Teils des Außengeländes von Nord nach Süd per amtlicher Ordnungsverfügung.
Stadtbaurat Uwe Bodemann organisierte im Juni dieses Jahres einen Runden Tisch mit Vertretern des Musiktheaters Bad und der Bauverwaltung, um den Konflikt zu lösen. Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen?
Ich denke, dass man uns vor den Kommunalwahlen Aufmerksamkeit geheuchelt hat, um die scheinbar für die Bauordnung und letztlich auch für die Stadt Hannover unangenehme Geschichte aus den Medien zu verbannen. Wir stehen nach den Verhandlungen wieder da, wo wir vor den Verhandlungen standen. Wie immer im Zusammenhang mit den Behörde, drehen wir uns nett im Kreis. Über die Nutzung des Schwimmbeckens und die Freigabe des Außengeländes gab es keine Einigung. Die Bauverwaltung wollte uns eigentlich so herzallerliebst und uneigennützig helfen. Dieses reduzierte sich aber auf die Tatsache, dass sie jetzt endlich ihrem normalen Bürgerauftrag nachkam.
Um alle Forderungen, die in der Regel nicht ausschließlich aus reinen Baumaßnahmen bestehen, sondern zum großen Teil auch aus Gutachten, Architektenleistungen und der Bereitschaft diese zu genehmigen, müssten wir, selbst wenn unrealistischer Weise nach heutigem Recht die Genehmigungen erfolgen würden, mit Sicherheit mehr als 200.000 Euro aufbringen. Jedes kleinste Entgegenkommen der Bauverwaltung, wie die Genehmigung der immer als baurechtlich sicher eingestuften Terrasse vor dem Veranstaltungsgebäude, dauerte viele Monate und kostete uns ein Vermögen.
Um wie viele Quadratmeter ging es bei der eben angesprochenen Genehmigung der Terrasse?
Es ging dabei um nur rund 300 Quadratmeter. Diese winzige Fläche beanspruchte drei Monaten Verhandlungen, acht verschiedenen Bauzeichnungen und knapp 2000 Euro Verwaltungskosten für Architekten und Gebühren - unvorstellbar! Ich denke, es wird darauf spekuliert, dass uns mit der Zeit das Geld ausgeht. Anscheinend hat die Stadt Hannover kein Interesse, das Musiktheater Bad als Kulturveranstaltungsort zu erhalten.
(kurze Pause)
Wenn die Stadt Hannover diesen einzigartigen Veranstaltungsort mit seiner jahrzehntelangen Musikkultur nicht erhalten will, dann machen wir halt Schluss und schmeißen das Bad dem Steintor hin. Vielleicht wird diese Lösung dann behördlich gefördert.
Was meinen Sie damit?
Wenn wir einerseits der behördlichen Willkür ausgesetzt bleiben, unser bisschen Geld in unzähligen Streitigkeiten verbrauchen und damit unsere Kulturarbeit massiv behindert wird, wir anderseits keine Mittel aus dem Kulturfördertopf der Stadt erhalten, wenn also die Stadtverwaltung kein Interesse mehr an einem Betrieb des Musiktheaters Bad durch den Kultur-Pool e.V. hat, müssen wir aufgeben und das Gelände verkaufen. Vielleicht kann die Stadt besser damit leben, wenn auf unserem Gelände zwielichtige Gestalten oder ein undurchsichtiges Milieu Einzug halten. Ich darf gar nicht daran denken. Können wir bitte das Thema wechseln? Gut, dass der Badhase das nicht mehr miterleben muss.
Können Sie mir erklären, wer oder was der Badhase ist?
Im Frühjahr dieses Jahres, ich glaube es war ironischer Weise kurz vor Ostern, hoppelte ein Hase auf unserer Wiese herum. Wir erkannten sofort, dass es kein Wildhase war, sondern das arme Tier wohl von jemandem ausgesetzt wurde. Wir fingen den Hasen ein, brachten ihn zum Tierarzt und ließen ihn untersuchen. Danach nahm ich den Hasen an mich und päppelte ihn auf. Im Sommer durfte der Badhase, so tauften wir ihn, bei schönem Wetter auf unserem Gelände frei rumhoppeln. Abends fing ich ihn aber immer wieder ein und nahm ihn mit nach Hause. Mit der Zeit kam er von alleine zurück, wenn es Abend wurde. Eines Tages begann es bei erst schönstem Wetter plötzlich heftig zu gewittern. Der Badhase muss sich irgendwo versteckt haben. Wir suchten ihn lange, aber vergebens. Am nächsten Tag fanden wir ihn. Der Badhase war tot. Ein Fuchs oder Raubvogel muss ihn gerissen haben. Wir beerdigten den Badhasen mit vielen Freunden feierlich an einem besonderen Platz im Musiktheater Bad.
Frau Fett, vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führte Christian Thorens
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