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Schriftsteller haben alle Zeit der Welt, sitzen gemütlich in ihrem Sessel und die Ideen sprudeln? print hat die deutsche Fantasy-Autorin Jeanine Krock besucht und ihr auf die Finger geschaut.
Langsam wird es hell. Das Licht bahnt sich einen Weg durch die Lamellen - mit jeder Minute näher heran an die Laptop-Tastatur und die flinken Finger darauf. Die Welt erwacht, während das Leben auf dem Bildschirm von Jeanine Krock bereits seit Stunden tobt.
Sie ist Romanautorin und gerade mitten in der nächsten Geschichte. Woher die Ideen und der Stoff ihrer inzwischen neun Bücher kommen, weiß sie selbst nicht. Doch wenn die Muse sie früh morgens weckt oder nachts nicht schlafen lässt, dann schickt sie sie nicht weg. „Mitternachtskrankheit“ nennt es die Ärztin und Neurologin Alice W. Flaherty von der Universität Harvard, wenn Autoren „schreiben müssen“.
Jeanine Krock wurde in Braunschweig geboren. Sie ist eine der wenigen deutschen Fantasy-Autorinnen.
Bisher gibt es von ihr zu lesen:
- Himmelsschwingen (Novelle), Januar 2012
- Obsolete Angels, Juni 2011
- Wind der Zeiten, Mai 2011
- Flügelschlag, 2010
„Licht & Schatten“ Roman-Reihe
- Das Feenorakel, 2011
- Der Blutkristall, 2011
- Die Sternseherin, 2009
- Der Venuspakt, 2008
Daneben gibt es diverse Kurzgeschichten in Anthologien oder Bildbänden.
Mehr:
www.jeaninekrock.de
Facebook-Seite
Für Jeanine Krock ist es eine Herzensangelegenheit. Mit Spaß, Freude und großer Lust lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf. Immer wieder angereichert mit detailreichen Alltagsbeobachtungen und Ergebnissen ihrer Recherchen und Reisen. Aus einer ersten Idee wird ein Gerüst und die Figuren, meist Engel, Feen und Vampire, werden beim Schreiben lebendig. Kleine Zettel mit Notizen und Skizzen liegen kreuz und quer auf dem Schreibtisch.
An Vorstellungskraft und Kreativität fehlt es der Autorin nicht. Beides wurde ihr quasi in die Wiege gelegt und schon immer wollte sie etwas schaffen und gestalten, etwas Eigenes in den Händen halten. Ihre Künstlerkarriere begann mit Bühnenkostümen. Später suchte sie die Models aus, die Kleider zum Laufen brachten. Als Umzugsberaterin half sie anderen bei deren Lebensumbrüchen. Heute entführt sie ihre Leser aus dem Alltag hinein in die schillernde, märchenhafte und ebenso gruselige Welt ihrer Bücher.
Jeanine Krock hört auf zu tippen, speichert den Text und beginnt, ihn von vorn zu lesen. In dieser Nacht ist eine Szene entstanden, mit einer explosiven Mischung aus blendender Schönheit und erotischer Gefahr. Der Stoff, bei dem sie selbst schwach wird. Als Jugendliche liebte sie Lumpi aus „Der kleine Vampir“. Heute schafft sie sich die attraktiven Vampire mit Macht selbst.
Harter Brotjob
Der schottische Setter Gordon und dessen Lebensgefährtin Frau Luna werden wach, streichen der Autorin um die Füße und verlangen nach Frühstück. Das ist das Ende der ruhigen Schreibzeit. Jeanine Krock steht langsam auf und greift zu ihrem Stock. Sie geht im Wohnzimmer vorbei an einigen hundert Büchern, teils auch an großen Bildbänden, und am normalen Chaos des Lebens auf dem Küchentisch. Wäre da nicht der drückende Abgabetermin vom Verlag, so hätte sie gestern vielleicht doch noch Teller, Weinglas und Besteck abgeräumt.
Sie füllt den Hunden frisches Wasser und Futter in den Napf und analysiert dabei die gerade geschriebene Szene im Kopf. Hat sie alle Kniffe beachtet? Stimmen die Anschlüsse und Übergänge? Was 1995 nach dem Unfall begann, ist seit einigen Jahren harter Brotjob. Über die ersten Seiten helfen ihr Idee, Talent und das, was allgemein als Genialität bezeichnet wird. Doch ohne Handwerk und Durchhaltevermögen wird es kein Roman. Regelmäßig tauscht sie sich daher mit befreundeten Autoren aus und besucht Seminare.
Jeanine Krocks Magen knurrt. „Ok, dann gibt es jetzt erst einmal Frühstück.“ Sie schaut dabei aus dem Fenster. Im noch weichen Licht erscheint alles verschwommen. Sie will die Stimmung für ihre nächste Szene festhalten und greift zum nahen Notizblock und Stift. Dabei findet sie eine alte Skizze. „Ah, hier habe ich sie gelassen.“ Sie schlägt das Blatt um und schreibt schnell die Ideen zur neuen Szene auf die Rückseite.
Das Telefon klingelt, weit entfernt im Wohnzimmer. Sie lässt den Anrufbeantworter anspringen: „Hallo Jeanine. Danke für dein Exposé, doch die Figurenbiografie war nicht dabei. Schickst du sie mir bitte bis 12 Uhr, damit ich das Projekt in der Besprechung vorstellen kann? Danke.“
„Toll so ein Autorenvertrag, doch was wäre die Schreiberei ohne den Druck aus dem Verlag?“ Jeanine schaut zur Uhr, nimmt noch einen Schluck Tee und geht dann mit dem Notizblock zum Schreibtisch zurück.
Von Nico Kleinfeldt
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Genialer Wahnsinn
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